Wie Wirtschaftsförderung funktioniert

Der allgemeinen Krisenstimmung zum Trotz  zeichnen die Macher der  WFMG – Wirtschaftsförderung Mönchengladbach GmbH  ein positives Bild vom Wirtschaftsstandort. Und das nicht zu Unrecht. In 2025. wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die Industrie setzte mehr um und entgegen dem bundesweiten Trend ging die Zahl der Firmeninsolvenzen zurück. Das wurde auf der Jahresmedienkonferenz bekannt, zu der  die Geschäftsführung und ihr Aufsichtsratsvorsitzender, Oberbürgermeister Felix Heinrichs, am heutigen 20.04.26 einlud.

Nach einer skizzenhaften Darstellung der Probleme, mit denen die deutsche Volkswirtshaft zu kämpfen hat, sagte Felix Heinrichs einleitend. „Umso bemerkenswerter ist, dass wir für 2025 sagen können: Es ist im Rahmen der Möglichkeiten mehr als nur gelungen.“ Mehrere wichtige Kennzahlen hätten sich 2025 in Mönchengladbach positiv entwickelt, teils deutlich gegen den Trend. „Das ist für mich das Ergebnis einer konsequent umgesetzten Wirtschaftspolitik, eines resilient aufgestellten Mittelstands und eines Standorts, der seine Stärken kennt und gezielt ausbaut.“

Das Foto zeigt WFMG-Geschäftsführer Stefan Anspach, Prokuristin Güneş Somtürk, Dr. Ulrich Schückhaus (Vorsitzender Geschäftsführung), Geschäftsführer Friedhelm Lange und OB Felix Heinrichs (v.l.n.r.), Foto Felix Küster für WFMG

Konkret ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Stadt zum Stichtag 30. Juni 2025 auf 105.796 gestiegen, ein Plus von 1.000 gegenüber dem Vorjahr und der höchste jemals zur Jahresmitte gemessene. „Zum Stichtag 30. September, inklusive frisch gestarteten Auszubildenden und Berufseinsteigern, stehen in der Statistik der Arbeitsagentur dann bereits 106.879 sozialversicherungspflichtige Stellen, ähnlich viele wie im Vorjahr“, so Dr. Ulrich Schückhaus, Vorsitzender der WFMG-Geschäftsführung. Dabei habe der Bereich Gesundheits- und Sozialwesen ihre Pole-Position ausgebaut: Er kommt bei steigender Tendenz auf nunmehr 21.204 Stellen, während die anderen großen Blöcke Dienstleistung und Handel leichte Verluste verzeichneten. Als relativ stabil erwies sich das Verarbeitende Gewerbe mit 13.549 Stellen. Erfreulich: Die Mönchengladbacher Industrie wies 2025 ein leichtes Umsatzplus von 2,9 Prozent gegenüber 2024 auf, während die Umsätze im IHK-Kammerbezirk (minus 2,9 Prozent) und im NRW-Schnitt (minus 2,5 Prozent) rückläufig waren.

Weniger Firmenpleiten
Eine weitere Entwicklung, mit der Mönchengladbach positiv heraussticht, betrifft die Firmeninsolvenzen. Deutschlandweit wurde 2025 eine Zunahme von mehr als 10% und somit der höchste Stand seit über einem Jahrzehnt erreicht, auch in NRW setzte sich der bereits 2024 hohe Anstieg unvermindert fort. In Mönchengladbach hingegen gab es einen Rückgang um acht Prozent. Mit Blick auf Insolvenzverfahren ist Mönchengladbach unter allen vergleichbaren kreisfreien Großstädten im Regierungsbezirk Düsseldorf sogar die einzige mit einem Rückgang. Ein Hebel, an dem die WFMG im Sinne der Resilienz-Stärkung arbeitet. Dabei setzt sie Fördermittel, Innovationsberatung und auch das ein, was die Gründungsfabrik anbietet.

Dass sich die Stadt dem allgemeinen Trend nicht völlig entziehen kann, sieht man an de Zahl der Arbeitslosen. 15.604 waren es im Jahresdurchschnitt, der höchste Wert der letzten zehn Jahre. Die Arbeitslosenquote betrug im Mittel 10,9 Prozent. Damit liegt die Stadt über dem Bundesschnitt und auch dem in NRW. Das ist nichts Neues und war auch schon in den Jahren zuvor zu melden. Das zeigt, wie schwer wirtschaftspolitische Fehler zu heilen sind. Man hat die Textilindustrie eigentlich ohne Not sterben lassen in der Hoffnung, es werden sich neue Betätigungsfelder für die Industriellen und damit Beschäftigung entwickeln. Das hat sich so nicht bewahrheitet. Jetzt und nicht erst seit heute wird versucht, innovativer Textilindustrie, smartem Maschinenbau, Datenökonomie und zirkuläre Wertschöpfung zu etablieren. Das geht nicht ohne Subventionen, die zuvor auch erwirtschaftet werden müssen, zum Glück partizipiert die Stadt von der Förderkulisse des Rheinischen Braunkohle-Strukturwandels, der in guten Zeiten mit € 15 Mrd. ausgestattet wurde. Der Braunkohlebergbau  vor den Toren der Stadt geht 2030 endgültig zu Ende, und bis dahin sind noch so einige Anstrengungen zu machen, um Beschäftigung zu erhalten.

Wie nützlich Subventionen sind
Über das Regionale Wirtschaftsförderungsprogramm (RWP) etwa wurde ein Investitionsvolumen von € 11 Millionen ausgelöst, bei € 3,5 Millionen an direkten öffentlichen Zuschüssen und verteilt auf elf durch die WFMG begleitete Projekte. Ein unmittelbarer Hebelfaktor von 3:1 auf öffentliche Mittel, der zudem mit Blick auf Arbeitsplätze weitere mittelbare Positiveffekte auslöst. „Diese Förderkulisse hat somit eine hohe Relevanz für die Investitionskraft und die Transformation der Wirtschaft“, sagt WFMG-Geschäftsführer Stefan Anspach. „Deswegen ist es für uns von zentraler Bedeutung, sie auch über die aktuelle Förderphase hinaus ab 2028 zu sichern.“

Geld für Startups
Das Anregen von privaten und öffentlichen Investitionen in den Standort ist eine der strategischen Leitlinien der WFMG. „Dabei ist es für uns gleichermaßen bedeutsam, wenn das örtliche Handwerk Zuschüsse in siebenstelliger Höhe akquiriert, wenn RWP-Mittel gezielte Investitionsanreize für urbane Produktion und somit auch zur Innenstadtbelebung setzen oder wenn damit der hochwertige Innenausbau für wissensbasierte Arbeitsplätze gefördert wird“, sagt WFMG-Mitgeschäftsführer Friedhelm Lange, der Hauptberuflich für Marketing zuständig ist. Weitere Ziele sind die Stärkung der Innovations- und Leistungsfähigkeit von Bestandsunternehmen, die langfristige Sicherung der Arbeits- und Fachkräfteverfügbarkeit durch gute Ausbildung und Karriereperspektiven, das Schaffen und Erhalten hochwertiger Arbeitsplätze mit überdurchschnittlichem Wertschöpfungs- und Einkommenspotenzial sowie die Förderung von Gründung und potentialstarken Startups.

In allen Feldern wurden zuletzt wichtige Wegmarken erreicht – beim Start des Strukturwandel-projekts Textilfabrik 7.0 etwa, beim Glasfaserausbau, bei der Entwicklung des Trabrennbahn-Geländes über das Landesprogramm Go4Gewerbe – oder Erfolge erzielt. So konnte NRW-Staatssekretär Matthias Heidmeier als Fürsprecher des Förderprojekts Gründungsfabrik / skillzUP gewonnen werden, dessen Verlängerung bei der WFMG derzeit vorbereitet wird, und wurde mit „CollecTS“ ein neues Projekt zur besseren Verwertung von Alttextilien lanciert. Zudem wurde, etwa beim Comedy-Recruiting-Format „Ich lach‘ mich Job“, das Angebot in der Fachkräftenachwuchsförderung skaliert – was die zentrale Rolle der WFMG in diesem Bereich unterstreicht, die sich nicht zuletzt durch die Gesellschafterrolle bei der Junior-Uni ausdrückt.

In der WFMG-Bilanz für 2025 stehen 15.000 qm an verkaufter Gewerbefläche mit Umsätzen in einer Gesamthöhe von mehr als € 2,7 Millionen, 5.438 qmr vermarktete Gewerbefläche im neuen Gewerbegebiet an der Käthe-Höffkes-Straße sowie 6.150 qm an veräußerter Gewerbefläche für Neubauvorhaben im Businesspark Nordpark. Kremer Legal Tech aus Köln, das dieser Tage seinen Umzug auf 520 qm in den Neubau am Rheydter Hauptbahnhof vollzieht, ILOQ Deutschland (300 Quadratmeter im Feies-Campus im Nordpark) und Detectamet (rund 1.000 Quadratmeter Hallenfläche im Regiopark) stachen unter den erfolgreichen begleiteten Ansiedlungen heraus. Unter den 52 durch die WFMG betreuten Firmenprojekten 2025 fanden sich unter anderem 14 Expansionen oder Verlagerungen, 21 Neuansiedlungen und sechs Bestandssicherungen.

Dr. Schückhaus geht
Diese Medienkonferenz war die letzte für Dr. Ulrich Schückhaus, der nach 27 Jahren als Geschäftsführer bzw. Vorsitzender der Geschäftsführung der WFMG zum 30. Juni in Ruhestand geht. OB Heinrichs würdigte ihn als einen unermüdlichen Treiber und Vorkämpfer für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. „Während Uli Schückhaus die WFMG leitete, stieg die Zahl der Arbeitsplätze von 84.000 auf 106.000, wurden über 35.000 Stellen unter Beteiligung der WFMG neu geschaffen oder gesichert und mehr als 250 Hektar an Grundstücksfläche für gewerbliche Entwicklung verkauft.“ Eine imposante Leistung, die aber de facto „nur als die Hälfte des Lebenswerks“ zu verstehen sei, da Schückhaus lange Zeit parallel die Geschicke der städtischen Entwicklungsgesellschaft (EWMG) leitete. Auch für die Zukunft sei die WFMG mit den beiden Geschäftsführern Friedhelm Lange und Stefan Anspach im Übrigen bestens aufgestellt, so der OB