Mönchengladbach gehört zu den bestversorgenden Kommunen Deutschlands. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat im bundesweiten Vergleich 10.817 Kommunen mit 17 Indikatoren geprüft. Dazu gehören u.a. die Hausarztdichte, die Brückenqualität, Bildungseinrichtungen, Verfügbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln oder Breitbanddichte. Die Gesamtbewertung für Mönchengladbach lautet: „sehr gut“.

Allerdings: Keine Gemeinde in Deutschland „versorgt“ so gut wie das 23.000-Einwohner-Städtchen Haar am Rande Münchens – mit Ärzten, Schulen und ÖPNV ebenso wie mit schnellem Internet und Freizeitangeboten. Das zeigt der IW-Gemeindecheck Daseinsvorsorge im Auftrag von Philip Morris. Es ist anzunehmen, dass die Zigarettenmarke das auch bezahlt.
Mönchengladbach steht von den erwähnten 10877 Kommunen auf Platz 1.033, d.h. die Vitusstadt ist bei den oberen 10%. Bei dem Indikator Bildung erreicht die Stadt Platz 850 und bei Gesundheit 447. Bei der Mobilität gibt es entgegen der Nachbarstadt Viersen keinen Ausweis, die steht hier auf Platz 878 und im Gesamtranking an 1.538ter Stelle. Besser als Mönchengladbach schneiden auch Nachbarstädte wie Krefeld (Gesamtrang 630), Dormagen (751) und Grevenbroich (982) ab. Bei Gesundheit ist Krefeld besonders gut ab. Die Samt- und Seidenstadt erreicht hier den Rang 116.
Bei der Freizeit erreicht Mönchengladbach im IW-Vergleich einen Mittelplatz, heißt es in einer Mitteilung der Stabsstelle Presse und Kommunikation. Mit dem SparkassenPark als überregionalem Veranstaltungsort, dem traditionsreichen Theater Mönchengladbach, dem Museum Abteiberg und Schloss Rheydt verfügt die Stadt über kulturelle Marken mit Strahlkraft, ob das bei der Erhebung berücksichtig worden ist, ist nicht zu überprüfen. Die Dichte an Grün- und Erholungsflächen findet man so in fast keiner anderen deutschen Großstadt.
In der erwähnten Mitteilung wird Oberbürgermeister Felix Heinrichs zitiert: „Natürlich kann man fragen, ob sich Lebensqualität in einer Stadt überhaupt in einer Rangliste abbilden lässt. Aber wenn ca.11.000 Kommunen mit 17 Indikatoren vermessen werden und Mönchengladbach landet unter den besten zehn Prozent, dann ist das ein Befund, der Substanz hat. Wir haben hier Krankenhausstandorte mit voller fachärztlicher Breite, eine engmaschige Schullandschaft, in die wir mit der siebten Gesamtschule weiter investieren, einen Bahnknoten mit gleich zwei Hauptbahnhöfen, einen neuen zentralen Busbahnhof, mit op jück ein modernes On-Demand-Angebot, dazu Theater, Museum Abteiberg, Schloss Rheydt und den SparkassenPark. Diese Stadt hat zu lange unter Wert gehandelt. Die Studie zeigt schwarz auf weiß: Mönchengladbach ist eine Stadt, die liefert. Und wir bauen weiter aus.“
Der OB nimmt das zum Anlass ein paar grundsätzliche Worte zu sagen, mit Blick auf die Studie und ihre Erkenntnis, dass die wahrgenommene finanzielle Handlungsfähigkeit einer Kommune zu den stärksten Treibern bürgerlicher Zufriedenheit zählt. Originalstatement des OB: „Was wir heute anpacken, erfolgt unter erschwerten finanziellen Bedingungen. Das Sondervermögen Infrastruktur ist ein wichtiges Signal aus Berlin, aber es ist eine einmalige Hilfe – kein Ersatz für eine solide Grundausstattung. Wenn Land und Bund wollen, dass Städte wie Mönchengladbach ihre Lebensqualität halten und ausbauen können, dann brauchen die Kommunen eine langfristig verlässliche Finanzbasis. Das Konnexitätsprinzip muss gewahrt, die kommunale Steuerkraft gestärkt und die Altschuldenproblematik endlich gelöst werden. Sonst entscheiden wir nicht mehr darüber, was wir gestalten, sondern nur noch, was wir streichen.“
Um nochmal auf Haar bei München zurück zu kommen: Die Kommune liegt vor Offenbach und Frankfurt am Main. Es gibt auch ein Ende des Rankungs: Würzburg landet auf Rang 1.705, Oldenburg auf 1.462. Schlusslicht des ist Hirschthal in der Südwestpfalz.
Im Vergleich der Flächenländer liegt Nordrhein-Westfalen vorn: Mehr als jede zweite NRW-Gemeinde fällt in die Kategorie „sehr gut“ versorgt, insgesamt sind 86 Prozent in einer der beiden Top-Kategorien („sehr gut“ und „gut“). Am anderen Ende steht Mecklenburg-Vorpommern: Dort gilt mehr als jede zweite Gemeinde als „sehr schlecht“ versorgt.
Mitteldeutsche Städte schneiden allerdings besonders gut ab: 30 Prozent von ihnen sind „sehr gut“ versorgt; unter den westdeutschen Städten sind es knapp 20 Prozent. Für Mitteldeutschland hatte Helmut Kohl, als es um die Wiedervereinigung ging, bekanntlich blühende Landschaften vorhergesagt.
Das Beitragsfoto stammt vom IW