Apothekensterben in NRW

Eine Apotheke galt früher als eine Erlaubnis zum Gelddrucken. Das ist längst vorbei. Aufsehen erregte kürzlich eine Apothekerin im Sauerland, die ihre Apotheke verschenken wollte, weil sie keinen Nachfolger fand. Sie hatte den Betrieb vor zehn Jahren für € 250.000 gekauft. Dass niemand Interesse zeigte, liegt an der Konkurrenz der Online-Apotheken, aber auch an behördlichen und bürokratischen Auflagen, welche dem Mittelstand viel von der Rendite wegnimmt.

Im Jahr 2018 gab es in Nordrhein-Westfalen 4 018 Apotheken mit zusammen 33 966 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, sank die Zahl der im statistischen Unternehmensregister geführten Apotheken gegenüber dem Vorjahr um 2,4 Prozent. Dabei stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im gleichen Zeitraum um 0,8 Prozent.  Die Rückläufige Entwicklung wird im Zehnjahresvergleich noch deutlicher. Fast jede fünfte Apotheke wurde seit 2008 geschlossen (−18,7 Prozent), die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Apotheken stieg dagegen um 12,8 Prozent.  Die sinkende Zahl der Apotheken im Zehnjahresvergleich spiegelt sich mit wenigen Ausnahmen in allen Kreisen und kreisfreien Städten NRWs wider. Nur in den Kreisen Siegen-Wittgenstein (+27,6 Prozent) und Olpe (+11,1 Prozent) stieg die Anzahl der Apotheken. Die größten Rückgänge ermittelten die Statistiker für Hagen (−36,4 Prozent) und Herne (−31,0 Prozent) sowie den Kreis Euskirchen (−28,8 Prozent). Rückläufige sozialversicherungspflichtige Beschäftigtenzahlen verzeichneten nur Leverkusen (−7,3 Prozent), Herne (−4,6 Prozent) und Solingen (−4,2 Prozent) sowie der Märkische Kreis (−3,0 Prozent). Die größten Zunahmen verbuchten die Kreise Siegen-Wittgenstein (+69,7 Prozent), Höxter (+32,8 Prozent) und Olpe (+47,9 Prozent).  In den fünf größten Städten Nordrhein-Westfalens (Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Duisburg), ist der Rückgang auch gravierend. Anders als die drei Ruhrgebietsstädte weisen Düsseldorf und Köln jedoch eine geringere Abnahme bei der Anzahl der Apotheken sowie eine höhere Zunahme bei den Beschäftigten auf. 

Mehr Beschäftigung wird gebraucht, um die Bürokratie zu erledigen, die durch die Digitalisierung eher zu- als abnimmt.