Brückenschlagen mit Klaviermusik

Dem Bahnhof in Rheydt-Geneicken Leben einzuhauchen, das ist den Leuten um Günter von Kannen und Georges Burki wahrhaftig gelungen. Dieses Pachtstück von Backsteinkunst, das an der Wende vom 19. Zum 20 Jahrhunderts entstand, war der Verwahrlosung preisgegeben, bevor es der Schweizer Musiker und Unternehmer erstand, nachdem Günther von Kannen, der Leiter der Mönchengladbacher Kunstakademie, ihn darauf aufmerksam machte. Nun wirkt hier ein „Kunstsignal“, was sich als Brückenschlag von der bildenden Kunst zur Musik sieht.

Nadejda Vlaeva im Bahnhof Genicken, Foto Philipp Maas

Der Bahnhof selbst ist inzwischen weitestgehend renoviert, die alte Bausubstanz erhalten, was dem Klima in den Räumen guttut, das selbst an einem heißen Sommertag, wie es der vergangene Samstag war, musikalischen Genuss ermöglicht. Es gastierte Nadejda Vlaeva. Sie ist Bulgarin, geboren in Sofia, begann im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspiel. Mit 15 gewann sie den ersten Preis beim Liszt Wettbewerb in Lucca, Italien. Sie war Gewinnerin vieler Preise und Auszeichnungen, darunter der dritte Preis beim internationalen Liszt Wettbewerb in Budapest und der Yamaha Preis für die beste Brahmsinterpretation in Weimar. Nadejda Vlaeva wohnt jetzt in New York City und spielte bereits in der Carnegie Zankel Hall, der Rose Hall im Lincoln Center und in der Merkin Recital Hall.

Als Solistin spielt Nadejda Vlaeva weltweit mit bedeutenden Orchestern, so dem Budapester Symphonieorchester, Calgary Philharmonic Orchestra, der Capella Istropolitana in der Slowakei, dem Edinburgh Symphony Orchestra und der Breslauer Philharmonie. Nun war sie im Geneickener Bahnhof. Möglich machten das Kathrin Haarstick und Geoges Burki, zuständig für „Weltklassik am Klavier“, eine Konzertreihe, die an 41 Städten in Deutschland gastiert, in Rheydt immer am dritten Samstag im Monat. Diesmal mit Nadejda. 

Wer in den Konzersälen der Welt schon mal zugegen war, dem wird solch eine intime Begegnung wie im restaurierten Wartesaal des alten Bahnhofs das Herz öffnen. Die Dame brachte einen fast 120 Jahre alten Flügel zum Klingen, das die Ohren schmalzen würden, wenn sie es denn könnten wie die Zunge. Sie spielte Bach, Liszt, Skrjabin und Robert Schumann. Sehr unterschiedliche Partituren und ebensolche Betonungen. Als Zugabe zum guten Schluss inszenierte sie das Wiegenlied von Brahms mit den uralten Texten, „Gute Morgen, gute Nacht, mit Rosen bedacht … .“ Einfach toll.

Am Samstag, dem 16.07.22, um 17 Uhr, ist Nadezda Pisareva zu Gast im Bahnhof Geneicken.