Bürgerentscheid zu Schulen möglich

Nachdem das Bündnis für Schulvielfalt in Mönchengladbach im Rathaus Abtei gesternt (27.01.22) ca.10.000 Unterschriften vorlegte, die sich für Beibehaltung der Hauptschule Kirschhecke und der Katholischen Hauptschule Neuwerk aussprechen, liegt es nun beim OB, Felix Heinrichs, – unser Foto – zu entscheiden, ob es zu einem Bürgerentscheid dazu kommt. Es ist anzunehmen, dass er sich vor der nächsten Ratssitzung, die für Mitte Februar angesetzt ist, dazu äußert.

Wie erinnerlich, hatte der Rat der Stadt auf Antrag der Ampelkooperation aus SPD, Bündnis 90 die Grünen und FDP beschlossen, die beiden Schulen auslaufen zu lassen mit dem Hintergrund, die Gesamtschulen in Gladbach zu stärken.

An dieser Meinung wird unverbrüchlich festgehalten, unabhängig vom Ausgang der jetzigen Debatte. Das Bündnis veröffentlicht hierzu einen Standpunkt, aus dem wir zitieren dürfen: Jugendliche entwickeln sich bekanntlich unterschiedlich – der eine schnell, das andere langsamer. Wenn Eltern sich am Ende der Grundschulzeit nach der Schulform umschauen, die für ihr Kind passt, ist oft die Gesamtschule eine Schulform der Wahl. Die Überlegung: Das Kind hat mehr Zeit, sich zu entwickeln und kann am Ende einen Abschluss ablegen, der im Alter von etwa zehn Jahren nicht absehbar war. Ein anderes Kind ist begabt bis überbegabt und deshalb auf einem Gymnasium besser aufgehoben. 

In der vergangenen Wahlperiode hatte die damalige Große Koalition im Rat angesichts der zahlreichen Absagen an Eltern mit Gesamtschulwunsch geplant, die Gesamtschulen in der Stadt zu erweitern, konkret: die Gesamtschule Volksgarten und die Gesamtschule Rheydt-Mülfort jeweils auf sechs Züge auszubauen. Dem stand allerdings eine nicht mögliche Fianzierbarkeit entgegen.    

Einen Ausweg suchte dann – wie erwähnt –  die Ratsmehrheit aus SPD, Grünen und FDP dann im vergangenen Jahr, als sie beschloss, die Hauptschulen Kirschhecke und die Katholische Hauptschule Neuwerk beginnend mit dem Schuljahr 2022/23 jahrgangsweise auslaufend aufzulösen, um mehr Gesamtschulplätze zu schaffen. Hintergrund: Nach dem Anmeldeverfahren in allen Schulformen hatte sich u.a. herausgestellt, dass die Hauptschule Kirschhecke und die Katholische Hauptschule Neuwerk aus eigener Kraft – also ohne vorher von den Gesamtschulen abgewiesene Kinder – die notwendigen zwei Klassen, die für die Genehmigung durch die Bezirksregierung notwendig sind, nicht bilden könnten.  „Eltern sollen die Schulform für ihre Kinder frei wählen können. Wenn es zu wenige Gesamtschulplätze gibt, um dem Wunsch der Eltern und Kinder gerecht zu werden, dann gibt es einen klaren Auftrag für uns: mehr Gesamtschulplätze anbieten … “, begründet der SPD-Fraktionsvorsitzende Janann Safi den Schritt der Ampel. „Der Kinder- und Elternwille bei der Suche nach der passenden Schulform muss für uns Verpflichtung sein, diese bereitzustellen. Der Wunsch nach Gesamtschulen, als einer Schulform des gemeinsamen längeren Lernens, hat in den letzten Jahrzehnten enorm zugenommen. Diese Entwicklung wird sich langfristig fortsetzen. Wir haben deshalb in einem ersten Schritt für das kommende Schuljahr die Anzahl von Gesamtschulplätzen an zwei bereits vorhandenen Standorten erweitert. Weiterhin halten wir die Errichtung einer 7. Gesamtschule für dringend erforderlich”, erläutert dazu Grünen-Fraktionssprecherin Ulla Schmitz auch mit Blick auf das Bürgerbegehren, das den Erhalt der Hauptschulen Kirschhecke und Neuwerk fordert. 

SPD, Grüne und FDP halten ihre Argumente für die bislang bestehende Beschlusslage aufrecht, unabhängig, ob schließlich Kirschhecke und Katholische Hauptschule in Neuwerk erhalten bleiben oder nicht.  „Unser Beschluss gefährdet die Schulvielfalt in Mönchengladbach nicht. Nach Umsetzung wird weiterhin jedes Kind, das den Wunsch nach einem Hauptschulplatz hat, diesen bekommen. Die Zahl der Kinder, die entgegen ihres ausdrücklichen Wunsches keinen Gesamtschulplatz bekommen, wird deutlich sinken. Bestehender Schulraum wird dabei bestmöglich genutzt – wir schaffen keine Dependance-Lösungen, sondern sowohl für die beiden Gesamtschulen als auch für das Berufskolleg räumlich in sich geschlossene Systeme”, stellt die FDP-Fraktionsvorsitzende Nicole Finger dazu fest.

So ganz frei ist die Stadt allerdings im Schulwesen nicht. Auch die Bezirksregierung hat bei allen Vorhaben ein Wort mit zu reden, wie Rainer Gutowski, Geschäftsführer der FDP in Mönchengladbach, im Gespräch mit dem Gladbacher Tageblatt bemerkt.