Corona und Wirtschaft

Gespräch mit OB Felex Heinrichs.

Die Belastungen, die der Umgang mit Corona, der Wirtschaft zumutet, sind nicht hoch genug einzuschätzen. Dass sie zu irreparablen Schäden führen ist anzunehmen. Wie umfangreich sie sind, wird sich erst nach Ende des Infektionsgeschehen herausstellen. 

Corona und Wirtschaft war das Thema eines Gesprächs, welches das Gladbacher Tageblatt mit OB Felix Heinrichs führen durfte.

Befragt, was Mönchengladbach besser mache als die Nachbarstädte Krefeld und Neuss, deren Inzidenzen weit über 50 liegen, während die Vitusstadt schon seit Wochen permanent unter dieser Schwelle auskomme, sagt der OB, das wisse er nicht, wohl sei sicher, dass die meisten Ansteckungen im Familiären geschähen, er nähme an, dass hier vorsichtiger umgegangen werde. Auf eine Teststrategie angesprochen, so wie sie sein Kollege Boris Palmer in Tübingen entwickelt habe und so die Öffnung des Einzelhandels, der Hotellerie und Gastronomie und auch der Kultur- und Unterhaltungsszene ermöglichte, sagt der OB, er habe sich in Düsseldorf erkundigt, nicht explizit zu diesem Fragenkomplex, wohl aber zur allgemeinen Normalisierung auch im Hinblick auf die günstigen Inzidenzwerte, sei aber beschieden worden, man wolle keine Ausnahmen.

OB Felix Heinrichs, Foto: Archiv GT

GT: Warum werden die Menschen in den Gladbacher Innenstädten nicht wenigstens vom Maskentragen im Freien befreit – die Geschäfte sind doch eh’ nur beschränkt offen?

Der OB berichtet von einem Besuch im Minto und einem Gespräch mit der Geschäftsleitung des Centermanagement, um sich ein Bild von der Situation zu machen und nahm eine Anregung vom Gladbacher Tageblatt entgegen, hier könne man an den drei oder vier Eingängen die versprochenen Schnelltest vornehmen und so verhindern, dass Virenlast in das Gebäude eingeschleppt werde, und ein normaler Geschäftsbetrieb könne vonstatten gehen.

Zu dem Testverhalten berichtet der OB, es seien innerhalb weniger Tage 2400 registriert worden, natürlich nicht viel bei einer Einwohnerzahl von 260.000, und es habe sich herausgestellt, von den 2.400 Probanden waren lediglich 20 positiv, weniger als 1%. Wie viel von denen dann nach einem PCR –Test übrig geblieben seien, sei nicht bekannt. Was das Maskentragen im Freien in den Innenstädten angehe, machte er auf die Schwierigkeit des Unterscheidens (Bushaltestellen, Eingangsbereich von Einzelhandel) für die Ordnungskräfte aufmerksam.

Auf die Frage, wie der Einzelhandel in denn Innenstädten wiederbelebt werden könne, wenn alles vorbei sei, antwortet der OB, da mache er sich keine Illusionen. Die Innenstädte würden sich verändern, mehr Gastronomie, mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität seien Möglichkeiten, sie am Leben zu erhalten.

GT: Hat die Soziale Marktwirtschaft Zukunft?

OB Heinrichs: Ja sicher, die SPD ist eine Partei der Sozialen Marktwirtschaft.

GT: Ist alles vorbei absehbar?

Der OB meint, es werde einiges hängen bleiben. Es werde länger dauern, ehe wildfremde Menschen wieder dicht an dicht stehen oder sitzen werden. Auch wenn 60% der Bevölkerung geimpft sei, werde es dauern, ehe sich Unbekümmertheit einstelle.

GT: Stehen wir vor einem Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft?

Ja, sagt der OB, das sei sicher so. Dafür sorge neben dem aktuellen Geschehen die Digitalisierung, der Kohleausstieg, der Klimawandel allgemein. „Wer nicht mit dem Wandel geht, der geht“, zitiert er ein Sprichwort.