Der Bökelberg in Dichtung und Wahrheit

Wenn es das Stadion Bökelberg in Gladbach noch gäbe, wäre es in diesem Herbst 100 Jahre alt geworden. Doch es gibt es nicht mehr, es wurde bekanntlich in 2005 aufgegeben und 2006 abgerissen, aber im Gemüt der Menschen ist es noch lebendig. Und das das auch bei denen so bleiben kann, die die Arena nicht persönlich erlebten, hat sich das Museum Schloß Rheydt eine Ausstellung einfallen lassen, sie realisiert und eröffnet sie am Sonntagvormittag, dem 03.10.19. Sie trägt den Titel „Mythos Bökelberg“.

Sicher, die Arena, ungefähr 300 m nördlich des eigentlichen „Bökel“ – da wo die Kaiser Friedrich Halle steht – hat einige herausragende Spektakel erlebt, die mit dem Aufstieg der Borussia zu einem Stern am nationalen und internationalen Fußballhimmel zusammenhängt, aber davon gibt es einige Stadien in Deutschland. Man erinnere sich nur an den Betzenberg, der den sagenhaften Aufstieg des 1.FC Kaiserslautern erlebte. Aber unser Bökelberg ist anders. Von der Eröffnung bis zu seinem Ende, war er immer etwas anderes als er sein sollte, „machte stets was er wollte, entzog sich dem rational sachlichen Verständnis, war nie wirklich faßbar“, sagen die Ausstellungsmacher, und es gibt tatsächlich Hinweise, dass dies stimmt.

So befaßt sich die Ausstellung nicht so sehr mit unserer Borussia – sie kommt natürlich in vielen Facetten vor – sondern mit der Sportanlage als solcher, von den Gladbachern seit ihrer Eröffnung in einer ehemaligen Kiesgrube als „Kull“ bezeichnet, zu Hochdeutsch also als Kuhle. Was es auch wirklich war, auf dessen Grund ein Rasenplatz angelegt war, die Hänge unbefestigt. Später als die Borussia aus den Niederungen des Fußballsports in die erste Liga aufstieg und die Hänge für Zuschauer befestigt waren, brach hier ein Tore, flog eine Cola-Dosen an den Kopf eines Spielers oder flog nicht und wurden die Fohlen Deutscher Meister und Pokalsieger, pardon das war nicht hier als sich Netzer ohne Trainer Hennes Weisweiler zu fragen einwechselte, und das Siegtor schoss, das war außerhalb, weil der Bökelberg mal wieder nicht bespielbar war.

Auch wie die Sportstätte zu ihrem Namen kam liegt ein wenig im Dunkeln. Ein Sportjournalist soll der vormaligen Kiesgrube, die auch eine zeitlang Westdeutsches Stadium hieß – den Namen gegeben haben.

Der spannende Weg vom Anfang bis zum Ende kann anhand von Originalobjekten, Filmen, und historischen Dokumenten verfolgt werden. Leitend wurde hierzu eine App geschaffen (kostenlos ladbar), für iOS und Android, mit der optisch und akustisch durch die Ausstellung geführt wird. Zu ihrer Eröffnung am Sonntagmorgen wird die Führungsmannschaft der Borussia erwartet, der Mythos lebt.

Die Fotos: 1. die Zuschauertribüne des Bökelbergs bei dem berühmten Wiederholungsspiel gegen Inter Mailand. das notwendig wurde, weil der 7:1 Sieg gegen die Italiener wegen eines vorgeblichen Büchsenwurfs angesetzt wurde.

2. Dr. Gert Fischer, Dezernent Bildung, Kultur, Sport der Stadt Mönchengladbach und Museumsdirektor Dr. Karlheinz Wiegmann, rechts im Bild, bei der Präsentation der Ausstellung.

Ausstellung im Städtischen Museum Schloss Rheydt vom 03.11.19 – 19.04.20