Folgen der Borussia-Talfahrt

Die Fanszene ist in Aufruhr. Die Talfahrt unserer Borussia lässt sie nicht kalt, niemanden. Seit der merkwürdigen Niederlage gegen den 1.FC und dem unmittelbar danach verkündeten Abschied von Marco Rose als Cheftrainer, gemeinsam mit seinem Assistenten zum Ende der Saison, ist viel böses Blut hochgekocht. Das schlug sich in Schmähschriften nieder, vor allem in den  Sozialen Medien, aber auch in Aufklebern, die im Stadtgebiet auf allen möglichen und unmöglichen Stellen zu lesen sind. Die neuerliche Niederlage am Wochenende, hat die Suppe wieder zum Kochen gebracht. So sieht sich Borussias Sportdirektor Max Eberl zu einem offenen Brief veranlasst, den er an alle VfL-Fans schreibt. Wir dürfen daraus zitieren. 

Liebe Fans!

Dass Ihr Eure Emotionen dennoch loswerden müsst, das erleben wir in den letzten Tagen und Wochen auf einem anderen Weg als „vor Corona“. Wir lesen sie in Zeitungsinterviews, in Blogs und auf Bannern, die Ihr am Stadion aufhängt. Ich habe auch Verständnis für die Enttäuschung und die Kritik, die dort geäußert wird. Enttäuschung über die Entscheidung unseres Trainers, nach dieser Saison zu einem anderen Verein zu wechseln (was ihm aber auf Grund des Vertrages möglich war), Enttäuschung über die Ergebnisse in den letzten Spielen, Kritik an meiner Entscheidung, mit Marco weiterzumachen. Ich verstehe die Emotionen, ich verstehe, dass sie raus müssen. Aber habt auch Verständnis, dass ich nicht jede Form von Kritik verstehe und so manches Wort und manchen Satz nicht angebracht finde und mich darüber geärgert habe.

Max Eberl

Auch ich bin ein emotionaler Mensch, ich glaube, das wisst Ihr und das hat so mancher von Euch schon zu hören bekommen. Bei meiner Aufgabe für Borussia muss ich Emotionen aber zur Seite schieben und meine Entscheidungen auf der Basis von Wissen und Verstand treffen. Gerade in den letzten Wochen sind wir immer wieder mit Gerüchten und unwahren Behauptungen konfrontiert worden, die irgendjemand in die Welt setzt und die über die sozialen Netzwerke und die Medien verbreitet werden. Ich verstehe, dass das die Emotionen noch mehr schürt, und dennoch muss ich klar unterscheiden zwischen dem, was ein Gerücht ist und dem, was die Wahrheit ist.

Unser Verein steht über allem. So verstehen wir, Stephan Schippers und ich, unsere Arbeit immer. Wir und ich entscheiden an dem Tag, an dem Entscheidungen gefällt werden müssen, und nicht aufgrund von zwischenmenschlichen Gefühlen, nicht aufgrund von Rücksichtnahme auf andere, nicht auf Druck von außen und auch nicht aus eigener Eitelkeit heraus. Der wichtigste Punkt bleibt: Wir wollen für Borussia Mönchengladbach die besten Entscheidungen treffen.

Ich trage die Verantwortung und mir geht es nur und ausschließlich um das Wohl und Wehe des Vereins. Dabei muss ich Emotionen beiseite schieben und mit Ratio und Verstand entscheiden. Ich kann verstehen, dass sich nicht jeder mit jeder meiner Entscheidungen identifiziert, aber es geht um Borussia und nicht um Applaus und ich denke schon auf Grund der letzten Jahre, dass das Vertrauen so groß sein sollte, dass man dann trotzdem gemeinsam den Weg weitergeht. Borussia ist und bleibt besonders und ich wünsche mir, dass wir auch jetzt zeigen, dass Borussia besonders ist. Wir haben in der Vergangenheit viele spezielle, auch schwierige Situationen gemeistert. Das werden wir auch dieses Mal tun.

Euer Max Eberl

Ob das was hilft? Helfen würde allenfalls, wenn die Borussia sich in den noch anstehenden Spielen fängt, an das anknüpft, was sie bis zum denkwürdigen Sieg über Dortmund im Pokal, auf den Platz brachte. Das müsste möglich sein. Das ist noch nicht die erste Sahne, eigentlich kann der Kader mehr. Dass es Marco Rose in den demnächst zwei Jahren seines Wirkens nicht voll zur Entfaltung bringen konnte, mag ihn bewogen haben, von seiner Ausstiegklausel Gebrauch zu machen. Aber das zählt jetzt nicht mehr, da hat Max Eberl recht, nicht die Flinte ins Korn werfen. Noch ist Polen nicht verloren, um ein Sprichwort zu zitieren.

Wenn die Saison zu Ende ist, wird eine schonungslose Analyse erbringen, was falsch gemacht wurde, und was daraus für Lehren zu ziehen sind. Nicht jetzt, jetzt heißt es,  die Kräfte mobilisieren, die da sind. Das müsste reichen, ein Minimalziel zu erreichen. Und wenn nicht? Da ist Eberl mit früheren Aussagen zu zitieren: Rückschläge sind einkalkuliert.

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