Nicht gerade vom Wetter begünstigt hat sich am heutigen Veilchendienstag einer der großen Karnevalsumzüge Deutschlands durch die Straßen der Mönchengladbacher Innenstadt bewegt, gut abgeschirmt von querstehenden Lkw, der sicherheitshalber. Rund 4000 Närrinnen und Narren und etwa 70 Festwagen lockerten die Stimmung des Publikums am Wege auf und versorgte es mit „Kammelle“ und was sonst noch an Nettigkeiten zu haben war. Der Alte Markt verwandelte sich in eine Partiezone, die weit in die Hindenburgstraße hineinreichte. Von den rund 200.000 Schaulustigen in der Stadt waren hier mehr als 20.000 versammelt.
Moderiert wurde das ganze am Alten Markt vom Lokalsender 90.1, dem es gelang auch einige Akteure der Stadt, so welche vom Fußballverein Borussia, ans Mikrophon zu bekommen und ihnen ein bisschen auf den Zahn zu fühlen.

Der diesjährige Umzug hätte der 90. seiner Art sein können, wie erinnerlich gab es den ersten Umzug im Jahr 1936, aber während der Jahre des 2. Weltkriegs gab es keine. Der erste danach in Gladbach fand dann 1950 statt, als Rheydt und Mönchengladbach noch nicht vereint waren. 1991 fiel der Umzug auch aus. Damals lief der 2. Golfkrieg und die Menschen waren davon so betroffen, dass Karnevalsumzüge nicht in die Welt passten. Die Mentalität ist eine andere geworden. Der Ukrainekrieg, der seit vier Jahren tobt, hat diese Wirkung nicht mehr ausgelöst.
Das Motto in diesem Jahr: Gladbach ist als jecke Welt… allerbestens aufgestellt!
Nun kann man trefflich streiten, ob das der Fall ist und war. Was andern Orts üblich ist. z.B. in Düsseldorf und Köln, die Obrigkeit, sei es die lokale, regionale oder die in Berlin, Washington, Moskau zu persiflieren, kommt in Gladbach nicht vor, auch Unzulänglichkeiten in der größten Stadt am linken Niederrhein werden nicht angeprangert. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, denn im nächsten Jahr gibt es wieder einen Veilchendienstagszug. Potential ist genug vorhanden, und die 150 Nationen, von denen es jung und alt in der Stadt gibt, haben sich gut integriert, wie man an den Gesichtern der Publikums rund um den Zug sehen konnte. Von da können ja nun auch Ideen und Fertigkeiten kommen, die sich in den zahlreichen Karnevalsvereinen der Stadt bemerkbar machen.