Wohnungen sind für das Leben so wichtig, wie Essen und Trinken. Sie sind der Mittelpunkt des Daseins für Single und Familien. Der Markt für Wohnungen ist deshalb ziemlich reglementiert, weil das Gemeinwesen daran interessiert ist, dass die Bevölkerung untergebracht ist. Nun hat sich die Stadtverwaltung Mönchengladbachs daran gewagt, einen Wohnungsmarktbericht zu erstellen und ihn zu veröffentlichen. Er ist online mit dem Link https://stadt.mg/wohnungsmarkt2024 abrufbar.
141.008 Wohneinheiten sind Ende 2024 registriert, und damit 257 mehr als im Vorjahr und das bei einer Einwohnerzahl. von 276.340 (+ 1.557) zu Stichtag 31.12.24. Mönchengladbach wächst durch Zuzüge, die natürliche Bevölkerungsentwicklung ist rückläufig, d.h. es sterben mehr als geboren werden
Die Stadtverwaltung ist auf dem Markt aktiv. Es werden Bebauungspläne für Investoren entwickelt, z.B. die für die Maria-Hilf-Terrassen, die von der Entwicklungsgesellschaft vermarktet werden, man unterstützt die Bautätigkeit mit einer städtischen WohnBau, zahlt Wohngeld und ermöglicht den Bau von Sozialwohnungen, um nur einiges zu nennen.
Über die sogenannte Stromzählermethode hat die Stadt zusammen mit der NEW erneut eine anonymisierte, geschätzte Leerstandsquote ermittelt. Diese lag wie im Vorjahr bei 5,1 Prozent. Zieht man die zwei Prozent ab, die erfahrungsgemäß aufgrund von laufenden Modernisierungsarbeiten leer stehen, ergibt sich ein struktureller Leerstand von gut drei Prozent aller Wohnungen. Wenn es gelänge, diese Reserve zu heben, würde das die allgegenwärtige Wohnungsnot lindern.
Angesichts hoher Kreditzinsen sind Förderdarlehen des Landes im Rahmen der Wohnraumförderung ein wichtiger Hebel. Beraten und bewilligt wird das Förderangebot durch die städtische Abteilung Wohnraumförderung und Wohnungsmarktentwicklung, die auch den Wohnungsmarktbericht erstellt. Mit 217 geförderten Wohneinheiten und rund € 44,9 Mio. wurde das Fördervolumen 2024 gegenüber dem Rekordwert des Vorjahres mehr als verdoppelt (+104 %).
Wohnungen, die mithilfe der Förderung realisiert werden, müssen anschließend als sozial geförderter Wohnraum angeboten werden. Weil zu wenig gebaut wird, sinkt der Bestand sozial geförderter Wohnungen, zuletzt von 6.305 (2023) auf 6.082 (2024). Jahr für Jahr fallen Wohnungen im Bestand nach Ablauf einer vorgegebenen Frist aus der Mietpreisbindung und es kommen – wie erwähnt zu wenig neue nach.
Insgesamt steigen die Angebotsmieten. Der Mittelwert (Median) lag Ende 2024 bei einem Quadratmeterpreis von € 9,- kalt (+6,4 %). Der Anteil hochpreisiger Inserate (> 10 €/m²) stieg weiter auf mehr als 30 Prozent. Eine Entwicklung, die insbesondere Haushalte mit niedrigem Einkommen trifft. Eine Folge davon: Umzüge werden seltener, da bei Neuverträgen meist deutlich höhere Mieten anfallen. Regional liegen die Mieten im Stadtbezirk Nord mit € 9,29 /m² am höchsten, gefolgt von Ost mit € 8,89 /m², Süd mit € 8,81 /m² und West mit € 8,53 /m².
Neue Ein- und Zweifamilienhäuser wurden im Median für€ 3.925 Euro pro Quadratmeter verkauft ( -3,4 %). Bestandsobjekte waren mit einem Quadratmeterpreis von € 2.580 Euro (-1 %) im Vorjahresvergleich nur geringfügig preiswerter. Der Quadratmeterpreis für neue Eigentumswohnungen lag mit € 4.342 Euro rund 3,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Bei Bestandwohnungen stagnierte der Quadratmeterpreis bei € 2.089 Euro (-0,3 %).
Sehr dynamisch präsentiert sich die Wohnungsmarktentwicklung gemessen an den erteilten Baugenehmigungen für den Wohnungsneubau. Widersetzte sich Mönchengladbach 2023 dem landesweit rückläufigen Trend deutlich und steigerte sein Vorjahresergebnis mit 707 erteilten Genehmigungen um satte 92 Prozent, wurde dieser Höhenflug 2024 mit rund 350 genehmigten Wohnungen beendet. Für das Jahr 2025 wird angenommen, dass es wieder mehr geworden sind.
Ein damit untrennbar verbundenes Thema ist, was die Bevölkerung von ihrem Einkommen abzweigen muss, um anständig zu wohnen. DataPulse hat sich ausführlich damit beschäftigt und ermittelt, dass in Mönchengladbach im Schnitt 22,7% vom Einkommen für Wohnen ausgegeben werden muss. Das ist ungefähr so viel, wie in Bitburg, aber deutlich weniger als z.B. in München, wo 36,1% des Einkommens drauf gehen. Dass Gladbach günstig ist, deckt sich mit einer anderen Erhebung, die festgestellt hat, dass der Euro in Mönchengladbach 25% mehr Wert hat als in Düsseldorf.
Quellen: Pressestelle der Stadt Mönchengladbach und DataPulse