Jüdisches Leben in der Stadt

Jüdisches Leben hat in der Stadt und ihrer Architektur Spuren hinterlassen, und was noch vorhanden ist, ist fester Bestandteil der städtischen Identität. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 12. September, wird das nun in Schriftform und mit einem Kurzfilm lebendig, die auf der städtischen Internetseite hier zur Verfügung stehen.

Wegen des Umgangs mit Corona wird der Tag des offenen Denkmals wie auch im Vorjahr ohne Vorträge und Führungen stattfinden, aber dennoch sind alle dazu eingeladen, Spaziergänge zu zu unternehmen und sich vertraut zu machen. Dabei hilft der Fachbereich Bauordnung und Denkmalschutz. 

Nachzulesen ist, wie Juden und Christen als  die Verfolgungen des Mittelaltes abgeklungen waren, am Ende des 19. Jahrhunderts in offener Weise mit Wertschätzung und Respekt zusammen lebten, aber auch, was in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts schandvolles geschah. 

Die Grabstätte von Hermann Aschaffenburg

In Mönchengladbach existieren von insgesamt elf nachweisbaren jüdischen Friedhöfen heute noch sechs. Jeder Stadtteil, der früher eine Synagogen- oder zugeordnete Spezialgemeinde besaß, blickt auf einen eigenen jüdischen Begräbnisplatz zurück. Nur auf den beiden um die Mitte des 19. Jahrhunderts angelegten Friedhöfen Hügelstraße und Eifelstraße finden bis heute Bestattungen statt. Hier sind viele Spuren jüdischen Lebens zu finden – und manche, die sich verloren haben. 

In der erwähnten Broschüre ist z.B. nachzulesen wie es Manfred Leven und Kurt Hecht erging und dass trotz aller Tragödien und Traumata ein Lächeln auf die Gesichter zurückkehren konnte.

Auf dem städtischen Friedhof ist auch die Grabstätte von Hermann Aschaffenburg (1871-1920) zu finden, der an der Sachsenstraße eine mechanische Weberei zu einer vollwertigen Tuchfabrik ausbaute. 1923 hatte seine Firma 204 Webstühle und 500 Beschäftige. Aschaffenburgs Grabstätte ist bis heute erhalten und ein eingetragenes Baudenkmal. 

In vergangenen Jahrzehnten kümmerte sich ein Sponsor um die Pflege, dann aber hörte das auf und die Grabstätte verwildert. Mitte August trafen sich hier Thomas Volbach und Susan Bahrke für die Mönchengladbacher Moderne e.V. und von der Stadt Jana Seibel-Schneider, Miriam ten Busch, Gabriela Cancian und Karl-Heinz Schumacher, um das Grab nach einem Pflanzplan von Jana Seibel-Schneider neu zu bepflanzen. Nun ist angedacht, dass die Stadt die Patenschaft für die Grabstätte übernimmt und damit die Erinnerung an Hermann Aschaffenburg erhalten bleibt.

Für OB Felix Heinrichs dient dieses Engagement der Traditionspflege. „Gerade in der heutigen Zeit sollte uns bewusst sein, dass jüdisches Leben ein wichtiger Teil unserer Stadt ist. … .“

PS: Wichtig ist natürlich dabei, eine kritische Haltung gegenüber der Politik Israels nicht mit Antisemitismus gleich zu setzen.