Mord an Julia R. – niemand half ihr

Der Mord an Julia, die von ihrem ehemaligen Freund in Viersener Casinogarten brutal ermordet wurde, schlug in den sozialen Medien hohe Wellen, aber bei dem eigentlichen Vorfall, noch im Vorfeld, fand sie irgendeine Hilfe – und wie es sich heute darstellt, hätte dieser Mord verhindert werden können. Ein 17jähriger Junge, wohl ein wenig verwahrlost aber nicht Kontaktscheu, brachte der 15jährigen sechs Stiche mit einem 25 cm langen Küchenmesser bei, von denen vier tödlich waren, wie Ingo Thiel, Leiter der Mönchengladbacher Mordkommsisson am heutigen (14.06.18) Donnerstag vor der Presse im Gladbacher Präsidium schilderte.

Die beiden, jungen Menschen, deren Eltern vor einiger Zei aus Rumänien (Julia R.) und Mathes K. (aus Bulgarien) nach Viersen zuwanderten, waren ungefähr zwei Jahre befreundet, was die bildhübsche Julia vor etwa zwei Wochen beendete, was Mathew nicht akzeptieren wollte. Schon damals hat er ins seinem Umkreis gesagt, er werde sie umbringen, wenn sie ihn verlasse, wie Thiel ermittelte. Aber niemand nahm das Ernst, jedenfalls nicht so, dass er irgendjemand benachrichtigte, der es hätte verhindern können. Und so geschah es dann an einem sonnigen späten Montagvormittag im Casinogarten, wo er seiner Verflossenen auflauerte, die dann aufschrie: „ich sterbe“, was dann geschah.

Zunächst war nicht bekannt, wer das Opfer ist, noch der Täter, Passanten im Park gaben der herbei geeilten Polizei bekannt, es sei ein nordafrikanisch aussehender Mensch gewesen, der zugestochen habe. Die schwer verletzte, schon sterbende Julia, hatte keine Ausweispapiere bei sich. Ein junger Deutschtürke, verdächtig, entzog sich näherer Überprüfung durch Flucht, nicht weil er etwas mit dem Mord zu tun hatte, vielmehr wegen Drogenkonsums wie sich später herausstellte. Thiel fand bei der Julia einen Zettel von einem Termin am Morgen, den sie wohl wahrgenommen hatte im Zusammenhang mit Schulproblemen, die sie wohl überwinden wollte. Das führte zum Elternhaus der Getöteten, wo die Mutter zunächst nicht glauben wollte, dass ihrer geliebten Tochter etwas zugestossen sein könne. Als das Gewissheit wurde, brach die Frau zusammen.

Der Übeltäter blieb zunächst verschwunden und unbekannt. Seine Familie kam vor etwa zehn Jahren nach Viersen, Vater, Mutter und zwei Söhne. Der Vater trennte sich später von der Familie, Mathew ging bis 15 Jahre in die Schule, die letzten beiden Jahre ging er keiner geregelten Beschäftigung nach. Nach Hause ging er nach der Übeltat nicht. Die Mordkommission kam ihm auf die Spur, observierte das Haus durch die Nacht und war seinemAufenthaltsort nah. Bevor sie zugreifen konnte, stellte sich Mathew mit einer Rechtsanwältin auf einer Polizeiwache in Gladbach, wo er festgenommen wurde, dem Haftrichter vorgeführt und in U-Haft ging. Er schweigt zu seiner Übeltat.

Gladbachs Polizeipräsident Mathis Wiesselmann nahm die Pressekonferenz zum Anlass, seinen Unmut über den Unrat auszudrücken, der in Zusammenhang mit dem Mord in den sozialen Netzwerken ausgeschüttet wurde. Das ist in der Tat ein Problem. Es wäre allerdings ein geringeres, wenn die Behörden, überhaupt die öffentliche Hand, diese Netzwerke nicht auch nutzen würden. Erst durch die Vermischung des Unrats mit den veröffentlichungswürdigen Fakten schafft Probleme, die ziemlich unerträglich sind, weil es schwer ist, das eine von dem anderen zu unterscheiden. Aber Menschen haben schon viel gelernt.

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Das Gruppenfoto zeigt Polizeipräsident Mathis Wisselmann, Leiter der Mordkommission Ingo Thiele, Staatsanwalt Stefan Lingens und die Pressesprecherin der Polizei, Isabella Hannen.

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