Was man sonst nur im Kino sieht

Lichtspielfilmreife Aktion der Bundespolizei mit einem pensionierten Kriminalbeamten der Polizei Viersen am Mittwoch, 24.06.20 gegen 10:30 Uhr in Nettetal-Kaldenkirchen. 

Die Bundespolizei wollte den Fahrer eines aus den Niederlanden eingereisten Pkw kontrollieren, der die Anhaltezeichen ignorierte und mit stark überhöhter Geschwindigkeit durch den Ortskern von Kaldenkirchen flüchtete. Er raste in die Fußgängerzone, wo er sich – baulich bedingt – festfuhr. Da die Bundespolizei ihn mit zwei Einsatzfahrzeugen verfolgte, konnte er nicht umkehren. Der Fahrer verließ das Auto und setzte seine Flucht zu Fuß fort. 

Die Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei hatten während der Verfolgungsfahrt einen Auffahrunfall untereinander, wobei vier Einsatzkräfte leicht verletzt wurden. Dadurch und wegen der extrem hohen und andere gefährdenden Geschwindigkeit des Flüchtigen hatten sie einen geraumen Abstand zu dem zu verfolgenden Fahrzeug. 

Reiner Wende mit seinem eBike

Hier greift ein 67jähriger Kriminalbeamter aus Nettetal ein, der sein Pensionärs-Dasein mit einigen Freunden bei einem Fahrradausflug genoss und zur Pause in der Fußgängerzone weilte. Der „Rentnercop” beobachtete die Flucht des Mannes, schnappte sich sein eBike und verfolgte den Flüchtigen, wie sich später herausstellte, einen 28ährige Mann aus Moldawien. Der sprang dann über eine recht hohe Mauer, die für den pensionierten Beamten doch eine gewisse Hürde darstellte. Da er naturgemäß dem sportlichen Flüchtigen nicht auf den Fersen bleiben konnte, kombinierte der ortskundige Nettetaler, wo der Mann vermutlich wieder befahrbares Terrain erreichen könnte. Er entschloss sich daher, den Flüchtigen nach einer kurzen Runde um den Block genau dort wieder in Empfang zu nehmen. Die Rechnung ging auf, sicher wegen des immer noch vorhandene Ermittlergespür: Auf der Brigittenstraße trafen sich Cop und Schmuggler wieder. 

Auch aus den Einsatztraining war nach Jahren Ruhestand noch etwas vorhanden und auch die Autorität aus aktiven Dienstjahren war offenkundig nicht verloren gegangen: Mit energischer Ansprache und unmissverständlichen Gesten brachte der Kripomann a.D. den Verdächtigen zu Boden. Beim Fixieren half ihm noch ein Passant, dessen Personalien leider nicht festgestellt wurden. Der Polizeibericht spricht an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die Zivilcourage aus. 

Die nacheilenden Einsatzkräfte der Bundespolizei konnten die vorläufige Festnahme dann mit Anlegen der Handfesseln vollenden. 

Im Fahrzeug des Mannes fanden die Einsatzkräfte große Mengen Betäubungsmittel, z.B. 8500 g flüssiges Amphetamin, 400 g Ecstasy-Tabletten, Kokain, Marihuana und 8700 g einer bislang noch nicht eindeutig fidentifizierten Flüssigkeit. Den polizeibekannten Moldawier ohne festen Wohnsitz in Deutschland schickte der Haftrichter am Donnerstag in Untersuchungshaft. Das Foto zeigt den pensionierten Kriminalbeamten.