Wie kam der Junge ums Leben?

Tod eines fünfjährigen Jungen durch Gewalteinwirkung. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hat eine Mordkommission eingerichtet und versucht die Hintergründe zu erhellen.

Nachdenkliche Gesichter vor der PK im Präsidium: Stefan Lindgrens, Staatsanwaltschaft Mönchengladbach und die Leiterin der Mordkommission, Maren Drewitz

Was ist geschehen? Am Dienstagabend (21.04.20) informierte die Feuerwehr gegen 19:00 Uhr über einen Einsatz. Der Rettungsdienst war von einer 23jährigen Frau angerufen worden, weil ihr fünfjähriger Sohn nicht mehr atmete. Sie stand mit einem Kinderwagen mit dem Bub vor dem Haus, in dem sie eine Zwei-Zimmer-Wohnung hat. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des Kindes feststellen, das erhebliche stumpfe Verletzungen am Kopf und – wie auf einer Pressekonferenz am heutigen Donnerstag im Präsidium zu erfahren war – am Leib aufwies. Da sich der Verdacht ergab, dass sich die augenscheinlichen Verletzungen des Kindes nicht mit den von der Frau geschilderten Geschehen in Übereinklang zu bringen sind, zog der Notarzt die Polizei hinzu.  Diese entschied zusammen mit der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach, eine Mordkommission zu bilden, welche die Ermittlungen aufgenommen hat. Die Vernehmung des Paars, das jegliche Schuld am Tod des Kindes von sich weist, hat den Verdacht eines möglichen Tötungsdeliktes erhärtet. Die Mutter und ihr, nach eigenen Angaben ebenfalls dort wohnender, 23jähriger Lebensgefährte wurden vorläufig festgenommen.

Die Mutter des Kindes erklärt die schweren Verletzungen mit einem Sturz aus einem Etagenbett, in welchem das Kind schlief und dabei unruhig wurde. Der Sturz ist der Schilderung schon am 20.04.20 erfolgt. Das soll nicht der erste Unfall dieser Art gewesen sein, der geschah der Schilderung nach am 15. dieses Monats.

Auf Befragen des Gladbacher Tageblatts, welches Milieu man sich vorstellen solle, stellte sich heraus, dass das Paar arbeitslos ist. Zur Patchworkfamilie gehört noch ein weiterer, dreijähriger, Junge, der sich jetzt in Obhut des Familienamts befindet. Er und sein nun toter Bruder sind nicht vom Lebensgefährten, sondern von zwei verschiedenen Männern. Der Vater des nun toten Jungens soll sich wenig bis überhaupt nicht um sein Kind gekümmert haben, dem Vernehmen nach gab es gelegentlich telefonische Kontakte mit ihm. 

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet gegenüber dem Mann Totschlag und gegen die Frau unterlassene Hilfeleistung. Der Totschlag könnte auch auf Mord erweitert werden, wenn das die Ermittlungen nahe legen.