Wie die Stadt zum Magnet wird

Gespräch mit Peter Schlipköter, GF der MGMG.

Im ersten Teil des Gesprächs mit Peter Schlipköter wurde erörtert, wie Mönchengladbach sich als Marke darstellt, veranlasst von einem neuen Masterplan für die Stadt, der die Weichen für eine Entwicklung bis ins nächste Jahrzehnt stellt. Zur Vorberichterstattung geht es hier. Im zweiten Teil des Interviews geht es ins Detail.

GT: Nun gibt es ja Tendenzen, solche Leerstände zu verhindern, indem die Stadt die Flächen anmietet, um sie dann subventioniert an Leute weiter zu geben. Kennen Sie diese Tendenzen?

Peter Schlipköter: Ja, die gibt es zu einem. Ein anderes Thema ist der Durchbruch zum Museum, ein wichtiges. Eine Öffnung dort … 
Im Moment sitzen wir, mit vielen anderen Kräften in der Stadt zusammen und überlegen, wie wir Handel im Wandel entsprechend begleiten und managen können. Zum einen hat die Stadt die Möglichkeit über ihre Gesellschaften Häuser oder Ladenlokale aufzukaufen, auf der anderen Seite muss man natürlich sehen, dass das kein singuläres Gladbach-Problem ist. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die mit dem Einzelhandel im Moment, ich sage ganz deutlich im Moment, kaum Probleme haben. Ich sehe eine Entwicklung, dass sich die Handelsfläche reduzieren wird, denn das Angebot pro Kunde und Quadratmeter ist weitaus zu groß, d.h. die Innenstädte werden sich verändern. Das sieht man vor allen Dingen in Rheydt, dass zahlreiche Einzelhändler und Ketten dort verschwunden sind und vorerst nicht wieder kommen werden. Das ist eine lange Entwicklung und die zurück zudrehen, ist ungemein schwierig. 
Man muss einfach überlegen, wie man den Einzelhandel anders aufbaut. Das gilt nicht nur für die Hindenburgstraße, auch für Rheydt, ergänzend Wohnraum organisieren, so dass da eine Symbiose entsteht. Und wenn es gelingt, auch mehr Studenten dort anzusiedeln, die nicht nur herkommen, um zu studieren, und dann wieder weggehen, dann würde dies die Stadt ungemein bereichern. Der Wissenscampus im alten Polizeipräsidium ist ein erster Schritt in diese Richtung.

Peter Schlipköter, Foto: rimapress

GT: Das ist sicher ein Ansatz, der sich lohnt zu verfolgen. Kommen wir noch einmal auf die eingangs angesprochenen zwei Objekte zurück, die so etwas wie die Visitenkarte der Stadt sind, das Haus Erholung, das ja glücklicherweise nicht verkauft wurde und die Kaiser Friedrich Halle. Fangen wir mit dem Haus Erholung an. Ist die schwer zu vermarkten?

Peter Schlipköter: Nein, wenn man es professionell angeht. Es ist aber ein Haus, das der konstanten Pflege bedarf, weil die Menge der Veranstaltungen das Haus abnutzen, die Innenräume und der Garten, damit die Visitenkarte eine exzellente bleibt. In der Nachfrage läuft das sehr, sehr gut, insbesondere, weil wir uns auf Feiern, Hochzeiten und Jubiläen konzentrieren, Prüfungen, Seminare, Messen. Mit Teilnehmern von zwei bis drei- und vierhundert Personen, bei denen das ganze Haus bespielt wird. Wir haben den großen Vorteil, dass wir auch einen großen Biergarten haben. Der ist eine echte Bereicherung, dass man bei einer Veranstaltung auch nach draußen gehen kann. 
Wir haben ja insgesamt neun Räume, den Kaisersaal und vier Veranstaltungsräume und zwei Balkonräume zum Garten hin, plus einen Gewölbekeller sowie einen Weinkeller. So können wir auch bei vielen Veranstaltungen gut ausweichen. 

GT: Ein etwas problematischer Bereich der Kaiser Friedrich Halle ist die Gastronomie. Da ist ja viel mit experimentiert worden. Da wollten ja mal Leute von der Borussia eine gehobene etablieren …

Peter Schlipköter: Ich verantworte das Haus seit 19 Jahren. In dieser Zeit gab es nur einen Gastronomen, Herr Gaul. Nur heute sind die Anforderungen an die Küche und insbesondere auch an die Optik anders. Hier hat die Stadt sehr viel investiert, in eine neue Klimaanlage im ganzen Haus bis hin zur Küche. Wir haben das große Glück, dass wir mit Sinan Heesen einen Gastronomen gefunden haben, der mit hohen Investitionen ergänzend in das Restaurant und die Gesellschaftsräume wunderbare Räumlichkeiten geschaffen hat und auch einen Biergarten mit einer Gastronomie. Man hat weiter ein Restaurant mit Arkaden und einem sehr ansprechendes Design. Das Restaurant ist ein Juwel und wenn die Küche so gut wie die Optik ist, werden wir Spitze in Mönchengladbach sein.

GT: Das wäre ja ein Glück, denn so was fehlt ja bisher in der Stadt.

Haus Erholung, eine gute Stube der Stadt

Peter Schlipköter: Ich sehe keine Sternegastronomie, ich sehe eine solide. Das muss ja auch für viele Leute erschwingbar sein und wenn ich mir die Speisekarte anschaue, glaube ich, dass dies der Hotspot in Mönchengladbach wird.

GT: Das würde ich wünschen. Dann hätten Sie ja auch wieder etwas, mit dem Sie Leute von auswärts in die Stadt holen können, was ja Ihre eigentliche Aufgabe ist.

Peter Schlipköter: Richtig, da kommen wir wieder an den Anfang, so greift alles ineinander, Veranstaltungshäuser, Gastronomie und Marketing. Wir legen nicht nur den roten Teppich aus, wir helfen den Interessenten auch bei der Technik, bei der Organisation und Hotelreservierung, machen das Rahmenprogramm, planen Ausflüge etc. Wenn ich auf einer Veranstaltung werbe, dann kostet das Geld, da ich aber mehr als 600 eigene Veranstaltungen habe, werbe ich verstärkt dort. Ich lege Prospekte aus, mache Bildschirmwerbung und erreiche alleine dadurch eine große Aufmerksamkeit. Wenn ich nur 500,- € je Veranstaltung als kostenfreie Werbung ansetze, sind das 300.000,- €, die ich so vermeide auszugeben, die aber ihren großen Nutzen bringen.

GT: Das ist schon eine Summe, die der Erwähnung wert ist.

Peter Schlipköter: Es ergeben sich viele Synergieeffekte, Großveranstaltungen nutzen, um Werbeaussagen zu machen und das Gesamtpaket Mönchengladbach an die Frau oder den Mann zu bringen.

GT: Sie haben ja auch ein ordentliches Produkt zu verkaufen, und wenn man weiß, dass in Mönchengladbach 1,- € den Wert von 1,25 € im Verhältnis zu Düsseldorf hat, haben Sie ja einen Anknüpfungspunkt, um für die Stadt zu werben.

Peter Schlipköter: Ja, da haben Sie recht, aber am Ende des Tages muss man noch mit vielen anderen Dingen überzeugen. Ich will ihnen dazu noch was erzählen. Als ich 2002 hierhin gekommen bin, haben wir den Initiativkreis Mönchengladbach gegründet. Damit ist es gelungen 33 Nobelpreisträger nach Mönchengladbach zu holen, z.B. Gorbatschow, den Dalai Lama, aber auch tolle Pioniere, Weltumsegler, große Chöre. Mittlerweile haben wir ein Programm, das wir jedes Jahr durchführen und bei dem die Gladbacher Unternehmer dafür sorgen, dass die Menschen mit einem überschaubaren Eintritt teilhaben können. Nach der Veranstaltung bleiben die Leute und finden ins Gespräch mit den Größen aus Politik und Gesellschaft, z.B. ex Bundeskanzler Schröder, Michael Gorbatschow, Vivienne Westwood, Reinhold Messner oder Markus Lüpertz, die teilweise auch ihre Bücher signieren. 
Da haben wir etwas entwickelt, das es so sonst nicht gibt. Das ist allerdings nur gelungen, weil mittlerweile 32 Unternehmer an unserer Seite stehen von denen wir Geld und Input bekommen. 

GT: Nun haben wir eben über Geld gesprochen. Wie wird die Marketinggesellschaft eigentlich finanziert?

Peter Schlipköter: Als die MGMG gegründet wurde, gab es hier vorher ein Amt für Stadtmarketing.

Dieses Amt für Stadtmarketing wurde aufgelöst, die MGMG mit veränderten Aufgaben gegründet und man hat den Etat, den dieses Amt verwaltete, der MGMG zur Verfügung gestellt plus einen kleinen Bonus für die Veranstaltungen, die es schon gab.

GT: Kann man sagen, was das war?

Peter Schlipköter: So ungefähr 900.000 Euro. 

Wie Sie sehen haben wir hier nun 27 Leute, d.h., wir brauchen also mehr Geld als die Einlagen. Wir müssen uns an vielen Stellen das verdienen, was wir ausgeben. So haben wir heute einen viel höheren Etat. 
Wenn wir Feste planen, z.B. das Turmfest in Rheydt oder das Fest am See, alles ohne Eintritt, müssen wir dafür sorgen, dass die Einnahmen die Ausgaben decken, dass ich dafür kein Geld aus dem Etat brauche. Da wir eine gute Grundfinanzierung haben und wir ansonsten fleißig unterwegs sind mit Dienstleistungen, Sponsoren, Vermietungen.

GT: Wenn Sie das gegenüberstellen, was die MGMG aus dem Etat der Stadt bekommt und was sie selbst erwirtschaften, in welchem Verhältnis steht das zueinander?

Peter Schlipköter: 40:60

GT: Kommen Sie denn mit dem Etat aus?

Peter Schlipköter: Das ist bei uns wie im Leben, es ist immer zu wenig. Ich würde gerne den digitalen Bereich noch ausbauen, könnte noch zwei weitere Mitarbeiter gebrauchen. Aber wir versuchen erst einmal so auszukommen, werden das eine oder andere noch ausbauen und schauen, wie wir das finanziert bekommen. Wir werden natürlich sehen müssen, was Corona für langfristige Folgen für die Wirtschaft und uns haben wird. Wir bleiben als MGMG zuversichtlich.

GT: Okay, dann danke, ich Ihnen für das Gespräch.