Wie Mönchengladbach als Marke verkauft wird

Gespräch mit Peter Schlipköter, GF der MGMG.

Mönchengladbach, größte Stadt am linken Niederrhein, macht sich fit für die Zukunft. Soeben haben Politik und Verwaltung einen neuen Masterplan vorgelegt, der die Bedingungen schafft, damit sich die Menschen in der Stadt wohlfühlen – zur Vorberichterstattung geht es hier – , nun muss das nach außen getragen werden, damit es alle wissen, die es interessiert. Dafür ist die Marketing Gesellschaft Mönchengladbach (MGMG) zuständig. Aus diesem aktuellem Anlass bat die Chefredaktion des Gladbacher Tageblatts den GF der MGMG, Peter Schlipköter, zum Gespräch. Wegen der Fülle der Themenkreise bringen wir die Niederschrift in zwei Teilen.

GT: Ich würde das Gespräch gerne mit zwei Themenkreisen beginnen, bei denen die Marketing Gesellschaft Mönchengladbach involviert ist, mit der Innen- und Außendarstellung. Fangen wir mit der Außendarstellung an. Wenn ich von hier in die Nachbarschaft blicke, z.B. auf Venlo und Roermond, scheinen mir die Holländer etwas fixer zu sein, wenn es um die Neuansiedlung von Industrie und Gewerbe geht. Haben Sie den Eindruck auch?

Peter Schlipköter (rechts im Bild) und Philipp Maas vor Plakaten von Großveranstaltungen in den Räumen der MGMG

Peter Schlipköter: Ich kann das bedingt beurteilen, vor allem deshalb nicht, weil das ein spezielles Thema der Wirtschaftsförderung ist. Die MGMG hat die Aufgabe, die Stadt als Marke und im Marketing zu positionieren. Das machen wir organisatorisch mit fünf Säulen. Eine Säule ist das Veranstaltungsmarketing, bei der wir ca. 60 eigene Events und Fremdveranstaltungen unterstützen. Die zweite Säule ist der Service für die Stadt und ihre Gesellschaften. Hier schaffen wir für städtische Gesellschaften das Erscheinungsbild, z.B. für eine Wohnbau das Logo entwickeln, für print und online. Weiterhin sind wir zuständig für die Marke Stadt Mönchengladbach, das geht hin zu touristischen Broschüren, Internetseiten wie deinmg.de, Stadtführungen oder Veranstaltungen des Oberbürgermeisters. Im Grunde genommen sind wir die Werbeagentur plus die Veranstaltungsagentur der Stadt. 
Hinzu kommen noch zwei weitere Säulen: Das Konzertwesen, das der MGMG vor 18 Jahren übertragen worden ist, mit 16 Konzerten und der Ensemblia, die in diesem Jahr „Süd Südwest“ hieß und vom 23. bis 27. Juni lief. Und last, but not least: Vermietung und Verpachtung. Dazu gehören die Kaiser Friedrich Halle, das Haus Erholung und der Ratskeller. Wir haben, außer zu Coronazeiten, mehr als 600 Vermietungen in beiden Hallen im Jahr.

GT: Wie viel beim Haus Erholung und wie viel bei der Kaiser Friedrich Halle?

Peter Schlipköter: 400 beim Haus Erholung und 200 bei der Kaiser Friedrich Halle.

GT: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, liegt die Außendarstellung gar nicht in Ihren Händen?

Peter Schlipköter: Selbstverständlich liegt ein guter Teil der Außendarstellung für Bürger, Touristen und Internetseiten bei der MGMG, ergänzt durch die Stadt und andere städtische Gesellschaften. 

GT: Mir fällt an dieser Stelle die klassische Definition von Marketing ein: Es weckt Bedürfnisse, und befriedigt sie. 

Peter Schlipköter: Ja, wir wecken Bedürfnisse, aber der Unterschied zu Produktmarketing ist, dass wir nicht jederzeit eine Produktveränderung machen können. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn Coca-Cola feststellt, dass es einen Trend im Markt gibt, hin zu kalorienarm, dann können sie Coca-Cola light schaffen. Das geht im Stadtmarketing nicht, was wir können, ist Bedürfnis wecken, in dem wir die guten Seiten der Stadt herausstreichen und Veranstaltungen beitragen. Nur übertreiben darf man das nicht. Als wir vor 18 Jahren mit dem Weihnachtsmarkt anfingen, war das noch kein Publikumsmagnet. Da haben alle neidisch nach Düsseldorf geschaut. Heute nach unserer Vorplanung und Ratsbeschluss vor zehn Jahren ist er etwas Besonderes, und die Leute kommen, auch von außerhalb mit dem Bus.

GT: Wo kommen die Leute her?

Peter Schlipköter: Aus dem Umfeld, aber mittlerweile auch aus Holland

GT: Dann hätten Sie ja was erreicht, worum man Sie beneiden könnte?

Peter Schlipköter: Nicht wir, aber die Stadt und die Schausteller. Jetzt können wir die Werbung pushen und ganz gezielt damit ins Umfeld gehen. Die Leute kommen jetzt aus dem Umkreis von 50 km, und man bekommt in der Vorweihnachtszeit auf dem Markt kaum noch einen Platz. Aber das ist nicht das einzige, Mönchengladbach hat mittlerweile vieles, um das uns vergleichbare Städte sehr beneiden.

GT: Die Attraktion des Platzes wird ja noch wachsen, weil die Markthalle ja bis Weihnachten fertig wird. War die Markthalle eine Idee von Ihnen?

Peter Schlipköter: Nein, es war keine Idee von mir. 
Ich persönlich glaube, dass die Markthalle ein Erfolg wird und wir sind mit den Verantwortlichen im Gespräch und werden sie nach Kräften unterstützen. Ich denke, dass es in Gladbach gefehlt hat, wetterunabhängig vom Parkhaus aus Lebensmittel, frisches Obst und Gemüse einkaufen zu können. Das ist auch eine schöne Ergänzung zum Minto und zum Einzelhandel. So schafft man zwischen Minto und Markthalle mehr Bewegung. Der Leerstand in diesem Bereich macht mir als Stadtmarketingmann schon große Sorge, denn ich will ja auch Mönchengladbach als Einkaufsstadt vermarkten.

Wird fortgesetzt